Berlin – 30.11.2006. Vertreter der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) und der forschenden Pharmaindustrie haben sich heute in Berlin zu ihrer Verantwortung zur Bekämpfung tropischer Armutskrankheiten bekannt und skizziert, wie Entwicklungsländern dabei geholfen werden kann. "Nötig ist", so der Vorsitzende der GKKE, Prälat Dr. Karl Jüsten, "eine Zusammenarbeit, die neben Kirchen und Pharmaunternehmen auch die Regierungen der betroffenen Länder und die Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit einbezieht." Fortschritte im Kampf gegen tropische Armutskrankheiten könnten die wirtschaftliche Entwicklung der betroffenen Länder weit über das Gesundheitswesen selbst hinaus fördern. "Neue Formen der Verteilung von Kosten, Risiken, Nutzungsrechten und Vertriebsaufgaben auf mehrere Partner ermöglichen es Pharmaunternehmen, hier ihre Kompetenz zur Erfindung neuer Präparate einzubringen", erläutere Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des VFA. Dieses Engagement in so genannten Public-Private Partnerships solle weiter ausgebaut werden.
Das heute in Berlin vorgestellte Grundlagenpapier "Die Bekämpfung tropischer Armutskrankheiten" des aus Vertretern von GKKE und VFA zusammengesetzten Arbeitskreises Kirchen / Pharmaindustrie konzentriert sich auf solche tropischen Krankheiten, die bisher im Schatten der häufigeren Infektionskrankheiten Aids, Malaria und Tuberkulose standen.
Prälat Dr. Karl Jüsten erklärte: "Wir – die Kirchen und ihre Hilfswerke – sind bereit, unsere Möglichkeiten in einen breiteren Verbund einzubringen. In diesem Zusammenhang begrüßen wir es sehr, dass die Pharma-Unternehmen sich zunehmend ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen und auch dort in Forschung investieren, wo schnelle Gewinne nicht zu erwarten sind."
"Wir sind froh, dass wir in vielen Punkten mit den Kirchen zu einer gemeinsamen Sicht auf die Problemlage in der öffentlichen Gesundheit gefunden haben", betonte Cornelia Yzer. "So sind wir gemeinsam zu der Erkenntnis gelangt, dass der Überwindung der großen Schwierigkeiten beim Arzneimittelvertrieb und bei der medizinischen Vor-Ort-Betreuung in den Entwicklungsländern große Bedeutung zukommt." Auch hier könnten Pharmaunternehmen unterstützend tätig sein und seien es zum Teil bereits, doch sei es richtig, von ihnen zur Bekämpfung tropischer Armutskrankheiten insbesondere die Nutzung ihrer Kernkompetenz, die Entwicklung neuer Arzneimittel, zu erwarten. Viele Projekte seien mittlerweile angelaufen; rund drei Viertel davon im Rahmen von Public-Private Partnerships.
"Einer der Leitgedanken des Papiers ist", so der Autor Dr. Matthias Vennemann, internationaler Health Consultant aus Münster, "dass Fortschritte bei der öffentlichen Gesundheit in Drittwelt-Ländern nicht länger nur als Folge, sondern auch als Ursache von Entwicklungsfortschritten in anderen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen gesehen werden müssen. Anders gesagt: Direktes Engagement im Gesundheitsbereich führt nicht nur zu besserer Gesundheit, sondern ‚verzinst’ sich auch in Gestalt von Entwicklungsfortschritten in anderen Bereichen." Dies müsse auch Konsequenzen für das Engagement der Regierungen der betroffenen Länder und die Arbeit der Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit haben.
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